Wie Hund und Katz? So klappt das Zusammenleben der ungleichen Mitbewohner
Es ist eines der ältesten Klischees der Tierwelt: Die ewige Feindschaft zwischen Hund und Katze. In Cartoons jagen sie sich durch den Garten, und im Sprachgebrauch steht die Redewendung „wie Hund und Katz“ für zwei Menschen, die sich absolut nicht ausstehen können. Doch wer beide Tiere bei sich zu Hause hat, weiß: Die Realität sieht oft ganz anders aus.
Aus der vermeintlichen Erzfeindschaft kann eine tiefe Freundschaft werden – oder zumindest eine respektvolle Wohngemeinschaft. Aber wie schafft man es, dass der Einzug eines neuen Vierbeiners nicht im Chaos endet? Hier ist der ultimative Guide für ein friedliches Heim.
Die Sprachbarriere: Warum es oft knallt
Bevor wir zu den Tipps kommen, müssen wir verstehen, warum es überhaupt zu Missverständnissen kommt. Hunde und Katzen sprechen schlichtweg unterschiedliche Sprachen.
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Das Schwanzwedeln: Wenn ein Hund mit dem Schwanz wedelt, signalisiert er meist Freude oder Aufregung. Wenn eine Katze peitschende Schwanzbewegungen macht, ist sie genervt oder angriffslustig. Ein Hund, der freudig auf eine Katze zustürmt, interpretiert ihr Warnsignal oft völlig falsch.
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Das Schnurren vs. Knurren: Ein tiefes Kehlgeräusch ist bei der Katze ein Zeichen von Entspannung (Schnurren), beim Hund hingegen eine Warnung (Knurren).
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Die Annäherung: Hunde sind meist „Hoppla, hier bin ich“-Typen. Katzen bevorzugen die höfliche Distanz und langsames Kennenlernen.
Vorbereitung ist alles: Der Duft-Check
Bevor sich die beiden das erste Mal Auge in Auge gegenüberstehen, sollten sie sich über ihren Geruchssinn kennenlernen.
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Deckentausch: Reibe den Hund mit einem Tuch ab und lege es der Katze hin – und umgekehrt. So können sie den Geruch des anderen in einer sicheren Umgebung (ohne die Bedrohung durch das reale Tier) erkunden.
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Räumliche Trennung: In den ersten Tagen sollten beide Tiere getrennte Bereiche haben. Die Katze braucht unbedingt einen Rückzugsort, der für den Hund absolut tabu ist (am besten in der Höhe).
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Pheromone: Es gibt spezielle Verdampfer für die Steckdose (z.B. Feliway oder Adaptil), die entspannende Botenstoffe aussenden und die Grundstimmung im Haus senken können.
Die erste Begegnung: Sicherheit geht vor
Wenn der große Tag der Zusammenführung kommt, ist Ruhe das oberste Gebot.
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Der Hund an der Leine: Auch wenn dein Hund die „Sanftmut in Person“ ist – beim ersten Treffen bleibt er an der Leine. Das gibt der Katze die Sicherheit, dass er nicht plötzlich losstürmen kann.
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Fluchtwege offenhalten: Die Katze darf niemals in die Enge getrieben werden. Sie muss jederzeit die Möglichkeit haben, den Raum zu verlassen oder auf einen Kratzbaum zu flüchten.
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Kurze Intervalle: Die ersten Treffen sollten nur wenige Minuten dauern. Beende die Session immer mit einem positiven Erlebnis (Leckerlis für beide!), bevor die Stimmung kippen kann.
Ressourcen-Management: Kein Neid am Napf
Eifersucht ist unter Haustieren ein echtes Thema. Um Konflikte zu vermeiden, ist eine klare Trennung der Ressourcen wichtig:
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Fütterung: Füttere die Tiere in getrennten Räumen oder zumindest mit großem Abstand. Katzen fressen oft in Etappen, während Hunde ihren Napf in Sekunden leeren. Ein Hund, der den Katzennapf plündert, sorgt für massiven Stress.
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Das Katzenklo: Dies ist der privateste Ort der Katze. Viele Hunde entwickeln die unappetitliche Angewohnheit, im Katzenklo nach „Snacks“ zu suchen. Stelle das Klo so auf, dass der Hund keinen Zugriff hat (z.B. hinter einem Schutzgitter oder in einem Schrank mit Katzenklappe).
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Aufmerksamkeit: Achte darauf, dass das alteingesessene Tier nicht vernachlässigt wird. Wenn der Welpe einzieht, braucht die Katze erst recht ihre gewohnten Kuschelzeiten.
Wenn es schwierig wird: Geduld ist eine Tugend
Nicht jede Zusammenführung verläuft wie im Bilderbuch. Es ist völlig normal, wenn es am Anfang Fauchen, Knurren oder gegenseitiges Ignorieren gibt.
Wann du eingreifen solltest:
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Wenn der Hund die Katze fixiert und sich nicht mehr abrufen lässt (Jagdtrieb).
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Wenn die Katze vor Angst unsauber wird oder sich dauerhaft versteckt.
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Wenn es zu ernsthaften körperlichen Angriffen kommt.
In solchen Fällen kann ein professioneller Tiertrainer helfen, die Körpersprache der Tiere zu analysieren und gezielte Übungen durchzuführen.
Fazit: Ein Dreamteam braucht Zeit
Die Freundschaft zwischen Hund und Katze ist oft die stabilste, die man sich vorstellen kann. Wenn sie erst einmal gelernt haben, die Macken des anderen zu akzeptieren, sieht man sie oft gemeinsam im Körbchen schlafen oder sich gegenseitig die Ohren putzen.
Erzwinge nichts. Manche Tiere werden nie beste Freunde, sondern akzeptieren sich einfach als Mitbewohner – und auch das ist ein großer Erfolg! Mit Geduld, positiver Verstärkung und einer ordentlichen Portion Gelassenheit steht dem Frieden im „Multispezies-Haushalt“ nichts im Wege.
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